Felix100kmDE

Alles ab 42,2km


Im Ziel – 2016

Grüezi beim IRONMAN ZÜRICH
Dieser Wettbewerb heißt „Eiserner Mensch“. Genau das müssen die Teilnehmer wohl auch sein. Die Ironman-Distanzen sind legendär: 3,86 Kilometer schwimmen, 180,25 Kilometer Rad fahren und 42 Kilometer laufen! Ein Wettkampfbericht meiner Premiere in Zürich.


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Das Einschwimmen beginnt früh am Morgen um 6.10 Uhr. Am Ufer des Strandbads Mythenquai kontrolliere ich meine Ausrüstung: Neoprenanzug, Schwimmbrille, Pulsuhr, Kappe – alles da. Das Wasser des Zürichsees ist kristallklar. Und gerade so kühl, dass wir im Neo starten dürfen. Ich bin wahnsinnig aufgeregt. Nur kurz steige ich ins Wasser, um mich 50 Meter einzuschwimmen. Dann geht es auch schon in die Startaufstellung.

Um 6.30 Uhr dürfen die ersten los. Ich stelle mich ins letzte Drittel, um keinen der stärkeren Schwimmer aufzuhalten. Die eingebüßte Zeit werde ich später beim Laufen sicherlich wieder reinholen. Um 6.55 Uhr darf auch ich endlich los. Auf ins kühle Nass! 3,8 Kilometer to go – äh – to swim.

Im Zürichsee zur Bestzeit
Im Wasser ermahne ich mich, ruhig zu bleiben und nicht zu viel Seewasser zu schlucken. Nach den ersten 200 Metern wage ich einen ersten Kontrollblick – „Wo bin ich?“ – und schwimme erleichtert weiter. Ungefähr bei der Hälfte der Strecke blicke ich auf die Uhr: Ich bin 1.500 Meter in 29 Minuten geschwommen. Wahnsinn! Hammergeil! Meine Arme machen trotzdem nicht schlapp, sie zeigen keinerlei Anzeichen von Erschöpfung.

Ich bin deutlich schneller als geplant. Egal. Für mich zählt: Je schneller, umso eher bin ich mit dem leidigen Schwimmen fertig. Jubelnd komme ich nach 1:24 Stunde aus dem Wasser. Geplant waren eigentlich 10 bis 15 Minuten mehr. Das verleiht mir einen mächtigen Motivationsschub! Zügig gehe ich in die Wechselzone.

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Anfängerfehler
8 Minuten. Länger dauert es nicht bis ich mich fürs Radfahren fertig gemacht habe. Eine Strecke von zweimal 90 Kilometern und circa 1600 Höhenmetern liegt vor mir. Die erste Runde läuft gut, ich brauche ungefähr 3:30 Stunden. Allerdings mache ich den größten Anfängerfehler, den es gibt: Durch die für mich tolle Schwimmzeit hochmotiviert gehe ich den ersten Berg viel zu schnell an. Das wird mich später einholen.

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Heartbreak Hill
Die ersten 30 Kilometer der Radstrecke sind relativ flach und langweilig, dann kommt ein kleiner Berg. Nach einer Abfahrt die nächsten zwei Berge. Den ersten davon nehme ich zu schnell. Am nächsten Berg wird das Kurbeln schon in der ersten Runde hart. Doch der Hammerausblick und eine noch geilere Abfahrt entlohnen mich. Am Ende der ersten Runde kommt als letzter Berg der  „Heartbreak-Hill“. Vom Rad fallen ist hier unmöglich: links und rechts Zuschauer, dazwischen eine kleine Gasse, durch die gerade ein Radfahrer passt. Es ist ein unbeschreiblich gutes Gefühl, sich durch diese enge Gasse zu quälen! Die vielen Menschen schreien die Sportler regelrecht den Berg hinauf.

Sending out an SOS
Doch für mich läuft es nicht so wie gedacht. Sieben Stunden wollte ich für die 180 Kilometer lange Radstrecke brauchen. Am Ende werden daraus 7 Stunden und 40 Minuten… In der zweiten Runde bröckelt meine Motivation. An den Anstiegen schwinden meine Kräfte, mein Körper kann keine Reserven mobilisieren. Nur der Gedanke ans Ende der Radstrecke und an meine Paradedisziplin, das Laufen, treibt mich jetzt noch weiter. Ich quäle mich bis zum letzten Berg und lasse mich noch einmal vom Publikum hochschreien. Eigentlich schreie ich selbst mehr als die Zuschauer. Der DJ spielt „Sending out an SOS“. Das beschreibt meine Situation ziemlich genau! Das schlimmste ist vorbei. Ich kurble die letzten Kilometer in die Wechselzone. Jetzt kommt endlich meine Disziplin, das Laufen!

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Flotte Sohle
Auf in die Laufschuhe und los geht´s. Nur noch 42 Kilometer… Ich ärgere mich über die Minuten, die ich beim Radfahren verloren habe, und gebe meine Wunschzeit schon fast auf. Die ersten vier bis fünf Kilometer laufen deswegen ziemlich schleppend. Nach der ersten von vier Runden sieht das plötzlich anders aus: Ich bin wieder da! Und zwar komplett! Beim Blick auf die Uhr wird mir klar, dass ich 14:30 Stunden als Zielzeit noch schaffen kann. Zwar nur knapp, aber das spielt keine Rolle. Von Runde zu Runde werde ich schneller. Jede Runde motiviert mich aufs Neue, denn jedes Mal laufe ich direkt am Ziel vorbei und denke mir, da will ich auch hin. Nach der zweiten Runde waren mir eine Laufzeit von 4:30 Sunden relativ sicher. Jetzt nochmal Gas geben und schauen, was geht.

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Im Ziel
Jetzt sind es nur noch 10,5 Kilometer bis ins Ziel. Kilometer für Kilometer kommt es näher. Dann kann ich es sehen! Ich genieße die letzten 100 Meter – vor mir das Zieltor, links und rechts die vielen Zuschauer. Der Stadionsprecher setzt an: „Felix Berlin aus Deutschland… You are an IRONMAN“. Irre!!!

Die Uhr zeigt eine Zielzeit von 14:18 Stunden und ich habe mein persönliches Ziel erreicht.

Ich setze mich auf den Boden. Fix und fertig. Überglücklich. Mein Hirn und mein Körper versuchen, die Belastung zu verarbeiten. Ein unbeschreibliches Gefühl!

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Ausblick?
Mal schauen. Vielleicht schaffe ich den Wettkampf in 2017 um eine Stunde schneller. Ich schätze, ich werde auf jeden Fall wieder dabei sein…

Guter Zweck – Elisabethschule
Wie in den drei Jahren zuvor beim Ultramarathon in Biel, habe ich den IRONMAN in Zürich für einen guten Zweck absolviert. Dank meines Ausbildungsbetriebs Aktivita und meinen beiden Chefs, Marco Fleckenstein und Andreas Schuster gehen 250 Euro an die Elisabethschule in Aichach. Die Elisabethschule ist ein staatlich anerkanntes Förderzentrum mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung unter der Trägerschaft der Lebenshilfe Aichach-Friedberg. Ein Foto von der Spendenübergabe seht ihr unter Charity.

DANKE… 
> meinen Eltern für sämtliche Unterstützung.
> meinem älteren Bruder Johannes, der diese Homepage aufgebaut hat und des Öfteren als Trainingspartner herhalten musste.
> der Physiotherapie am Hopfengarten, insbesondere an Eva Henkel.