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Im Ziel – 2014

Feuer gefangen
Sobald ich von meinem 100-Kilometer-Lauf in Biel erzähle, leuchten meine Augen. Ich habe Feuer gefangen! Mein neuer Plan: In einer besseren Zeit finishen als im Vorjahr. Kann das gelingen?


Nachdem ich bei meinem ersten Start in Biel so erfolgreich war, will ich unbedingt wieder dabei sein. Wer weiß: Vielleicht schaffe ich es sogar aufs Siegertreppchen?

Der Wettkampf trifft sich gut mit dem – nicht ganz zufällig gewählten – Thema meiner wissenschaftlichen Seminararbeit am Gymnasium: „Planung und Durchführung eines Ultra-Marathons am Selbstbeispiel.“ Was hätte ich auch für ein besseres Beispiel nehmen können? Für diese Arbeit habe ich meine Trainingseinheiten genau dokumentiert. Bald werdet ihr an dieser Stelle einen kleinen Auszug meiner Dokumentation sehen können.

Meine Vorbereitung
Die Idee, erneut in Biel zu starten, entstand schon eine Woche nach dem Lauf in 2013. Der Plan: Biel 2.0. Nur diesmal ein wenig schneller… Mit meiner Zeit von 16:42 Stunden beim ersten Lauf bin ich zwar bis heute ganz zufrieden. Aber gleichzeitig denke ich: Das muss auch schneller gehen. Deshalb habe ich mein Lauftraining von Anfang an anders geplant.

Zur Vorbereitung laufe ich nur ein wenig mehr Kilometer als im Vorjahr: 1132 km, im Vergleich zu 1050 km. Allerdings absolviere ich vor den langen Läufen immer wieder Tempoläufe. Damit will ich müde Beine bereits nach 50 oder 60 Kilometern simulieren und auf diese Weise gezielte Trainingsreize für die 100-km-Distanz setzen. Als zusätzliches Ausdauer-Training bereite ich mich auf eine Alpenüberquerung mit dem Mountainbike vor, die ich im September dieses Jahres unternehmen werde. Ob das zur Verbesserung meiner Leistung reichen wird, weiß ich freilich nicht…

Der 100-Kilometer-Lauf
Der Start in Biel ist diesmal am Samstag, 13. Juni 2014. Ich bin nicht ganz so nervös wie bei meiner Premiere. Blick auf die Uhr: kurz vor 22 Uhr. Dann kracht der Schuss. Ich starte von hinten, vorne ist mir zu viel Gedränge. Während der ersten fünf Kilometer, die mitten durch die Stadt Biel führen, treffe ich zwei bekannte Läufer. Ich kenne sie vom letzten Jahr in Biel und von zwei weiteren Marathons. Meine Stimmung steigt: Die Szene hier ist kleiner als gedacht!

Da ich meinem Vater inzwischen davonlaufe, begleitet er mich dieses Mal auf dem Fahrrad. Das bedeutet: Ich muss auf den ersten 23 Kilometern ohne ihn auskommen. Mein Bruder ist zu Hause geblieben, um meine Fans über den Liveticker auf dem „Laufenden“ zu halten.

Rasch finde ich einen Läufer, der ungefähr im selben Tempo unterwegs ist wie ich. Gemeinsam gehen die ersten zehn Kilometer recht schnell vorbei. Wir laufen bis Kilometer 50 zusammen. Locker! Den ersten Berg nehme ich gelassen. Beim Ziel für die Halbmarathon-Läufer begleitet uns, wie schon im Vorjahr, einen halben Kilometer lang der peitschende Jubel der Zuschauer in der Stadt.

Flüssige Energie
Danach herrscht wieder die übliche Stille der nächtlichen Natur – nicht gerade meine bevorzugte Umgebung und Tageszeit zum Laufen. Dann treffe ich meinen Vater auf dem Rad. Endlich! Meine Motivation steigt, er ist eine wichtige Stütze für mich. Am Berg bei Kilometer 25 stärke ich mich mit Wasser, Bouillon und Cola.

Bis zum Ziel für die Marathonläufer läuft alles prima. Diesmal verschwende ich keinen einzigen Gedanken ans Abbrechen. Im Gegenteil: Es geht mir super. Ohne Pause trabe ich von Versorgungsstation zu Versorgungsstation. An den Stationen nehme ich immer dieselbe Mischung zu mir: Wasser – Isogetränke – Cola – Bouillon – und eine Banane und/oder einen Orangenschnitz. In der Nacht genehmige ich mir dazu jeweils zwei bis vier Becher Cola.

Schneller als im Vorjahr
Bei Kilometer 50 ist es noch dunkel – ganz im Gegensatz zum Vorjahr! Ich nehme das als Bestätigung meiner Vermutung, dass ich diesmal wirklich schneller bin. Beim Ho-Chi-Minh-Pfad ist meine Umgebung schließlich hell. Da die Fahrräder hier nicht fahren dürfen, muss ich circa zehn Kilometer lang ohne meinen Vater weiter. Da hilft nur eines: Tempo anziehen und schnell wieder raus. Mit einem Speed von durchschnittlich 6:25 Minuten pro Kilometer, lasse ich diesen „Dschungel“ hinter mir.

Leider rächt sich mein zügiges Tempo später: Bei Kilometer 70 muss ich erste Geh-Pausen einlegen. Gleichzeitig weiß ich, dass der steilste Berg noch vor mir liegt. Bis dorthin quäle ich mich richtig. Abwechselnd versuche ich zu gehen und zu joggen. Irgendwann ist das Laufen sogar angenehmer: Dabei schmerzen zwar meine Füße und Oberschenkel, aber wenigstens bereitet mein Rücken keine Beschwerden.

Der Hitze entkommen
Wie schon beim Lauf in 2013 soll es auch heute wieder richtig heiß werden. Meine Hoffnung: Ich will die Chance nutzen und das Ziel vor der Mittagshitze erreichen. Auf der anderen Seite des Berges ist eine Versorgungsstation bei Kilometer 81, ab hier laufe ich ohne Geh-Pausen.

Bei Kilometer 88 kommt wieder eine Versorgungsstation: Wasser – Isogetränk – Cola – Bouillon – Wasser und eine Banane und/oder Orangenschnitz. Cola? Kann ich kaum mehr ertragen. Aber was gegen die Müdigkeit hilft, wird getrunken… Endlich kommt das 90-Kilometer-Schild in Sicht. Auf den letzten 10 Kilometern verliere ich bestimmt drei Minuten durch sehr, sehr viele Pinkelpausen. Der Cola sei Dank!

Chic im Shirt
Bei Kilometer 98 zieht mein Vater ein T-Shirt aus dem Rucksack: Es ist dasselbe, mit dem uns mein Bruder im letzten Jahr kurz vor dem Ziel überraschte! Jetzt steht mit Edding „2X“ drauf. Ich ziehe es an. Das ist mein absoluter Motivationshöchstpunkt: Nur noch zwei Kilometer und ich laufe im frischen Shirt! Auf dem letzten Kilometer ziehe ich das Tempo an.

Das Ziel
Nach 13 Stunden 21 Minuten und 34 Sekunden laufe ich über die Ziellinie. Glücklich. 3:20 Stunden schneller als im Vorjahr! Ich habe mein Ziel erreicht…

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Rückblick und Ausblick
Kurz vor dem Start war ich mit einem knapp 50-jährigen Läufer ins Gespräch gekommen. Er erzählte, dass er über mich gelesen hatte und dass er selbst auch mit 16 Jahren angefangen hatte, in Biel mitzulaufen. Inzwischen war er zum 32. Mal dabei. Da habe ich wohl noch einiges vor mir! Steht der Plan Biel 3.0?

Guter Zweck – Gymnasium St. Anna
Nachdem ich letztes Jahr für den Förderverein meiner ehemaligen Grundschule gelaufen bin, lag es nahe, diesmal für das Gymnasium St. Anna zu starten, dessen 11. Klasse ich besuche. Mein Ziel war es, jeden einzelnen meiner 100 Kilometer für 5 Euro zu „verkaufen.“ Leider konnte ich in diesem Jahr keinen Großsponsor für mich gewinnen. Darüber hinaus lag ich am Spendenaktionstag krank im Bett. Die angestrebten 500 Euro werde ich dadurch nicht erreichen, aber die Hälfte ist auch etwas! Das Geld wird in die Ausstattung des neuen Geografiesaals der Schule investiert.

DANKE…
> meinen Eltern für sämtliche Unterstützung,
> meinem Bruder Johannes, der diese Homepage aufgebaut hat und des Öfteren als Trainingspartner herhalten musste,
> der km-Sportagentur, insbesondere Katja Mayer,
> der Physiotherapie am Hopfengarten, insbesondere Eva Henkel für ihre wunderbaren Entspannungs- und Sportmassagen.